Schweizer Secondhand Plattformen im Überblick: Ricardo, Depop, Marko & Circlin

Schweizer Secondhand Plattformen im Überblick
Secondhand boomt, aber nicht auf eine einzige Art. In der Schweiz gibt es heute mehrere Plattformen, darunter Ricardo, Depop, Marko, Circlin und tutti, die alle dasselbe Ziel haben: gebrauchte Dinge weiterzugeben. Was sich ähnlich anhört, funktioniert in der Praxis sehr unterschiedlich. Manche Plattformen fühlen sich an wie klassische Marktplätze, andere wie soziale Netzwerke, wieder andere wie ein Feed aus Kurzvideos.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht: Welche Plattform ist die beste? Sondern: Welche Plattform passt zu dem, wie ich kaufen oder verkaufen will? Genau hier setzt dieser Vergleich an.
Die wichtigsten Secondhand Plattformen in der Schweiz
Zu den bekanntesten und aktuell meistgenutzten Secondhand-Plattformen in der Schweiz zählen Ricardo, Depop und Marko. Circlin ist ein neuer Markteintritt und positioniert sich mit einem anderen Ansatz im bestehenden Angebot. Sie unterscheiden sich weniger in ihrer Bekanntheit als in ihrer Nutzung und Logik.
- Depop ist eine internationale, social-first Plattform mit Fokus auf Mode, Style und Community. Viele Verkäufer:innen sind im Ausland aktiv.
- Ricardo ist ein etablierter Schweizer Online-Marktplatz mit Auktionen und Sofortkäufen, der weit über Mode hinausgeht.
- Marko positioniert sich als mobile Secondhand-App mit integriertem Kauf-, Zahlungs- und Versandprozess.
- Circlin verfolgt einen video-first Ansatz und zielt darauf ab, den Verkaufsprozess für Anbieter:innen möglichst einfach und effizient zu gestalten.
Nicht Teil dieses direkten Vergleichs ist tutti. Die Plattform funktioniert als kostenlose Kleinanzeigenbörse ohne integrierte Zahlungs- oder Schutzmechanismen und folgt damit einer grundlegend anderen Logik als die hier betrachteten Secondhand-Marktplätze.
Alle vier verglichenen Plattformen funktionieren - aber sie fühlen sich sehr unterschiedlich an.
Inserieren: Wie viel Arbeit steckt im Verkaufen?
Für viele scheitert Secondhand nicht am Willen, sondern am Aufwand. Fotos machen, Texte schreiben, Details erfassen, Rückfragen beantworten - genau hier verlieren viele Inserate an Schwung.
Klassische Plattformen setzen auf Text und Bilder. Das bedeutet: je genauer das Inserat, desto weniger Rückfragen später. Auf social-first Plattformen wie Depop spielt zusätzlich die visuelle Inszenierung eine grosse Rolle.
Circlin setzt an einem anderen Punkt an: Das Inserat beginnt mit einem Video. Zustand, Material, Passform oder kleine Mängel sind direkt sichtbar. Zusätzlich erfasst das Video nicht nur visuelle, sondern auch akustische Informationen: Verkäufer:innen können Details zum Produkt direkt verbal nennen, die automatisch im Inserat berücksichtigt werden. Eine KI extrahiert relevante Informationen aus Bild und Ton und ergänzt die Produktdetails automatisch. Das reduziert manuelle Eingaben, minimiert Rückfragen und senkt den Aufwand für Verkäufer:innen - besonders dann, wenn mehrere Artikel eingestellt werden.
Kurz gesagt: Je mehr ein Inserat zeigt und erklärt, desto weniger Arbeit entsteht später.
Kaufen: Wie unterschiedlich sich Secondhand anfühlt
Auch auf der Käuferseite unterscheiden sich die Plattformen deutlich.
Auf Ricardo steht häufig der Preisvergleich im Vordergrund - oft über Auktionen. Depop funktioniert stärker über Entdecken, Scrollen und das Folgen bestimmter Styles. Marko kombiniert klassisches Browsing mit einem klar strukturierten Checkout.
Video-basierte Inserate, wie sie bei Circlin genutzt werden, verändern die Wahrnehmung: Käufer:innen sehen den Artikel in Bewegung. Details, die auf Fotos schwer erkennbar sind, werden schneller klar. Das kann Vertrauen schaffen, ohne lange Nachrichten hin- und herzuschicken - besonders dann, wenn man sich noch orientiert oder unsicher ist. Die Secondhand Shopping Tipps greifen genau diese Fragen auf.
Sicherheit & Käuferschutz
Grundsätzlich gelten Plattformen als sicherer, wenn Zahlung, Versand und Streitfälle über die Plattform selbst abgewickelt werden. Je stärker diese Prozesse integriert sind, desto weniger müssen Käufer:innen selbst organisieren oder im Problemfall nachfassen.
Marko setzt auf eine plattforminterne Zahlungsabwicklung mit Schutzmechanismen, bei denen Zahlungen erst nach erfolgreichem Abschluss freigegeben werden. Circlin integriert den Käuferschutz direkt in den Zahlungsprozess und arbeitet mit einer Treuhandlösung, bei der Gelder bis zum Abschluss der Transaktion zurückgehalten werden.
Bei Depop ist der Käuferschutz in der Schweiz nicht plattformweit voll integriert, da die Plattform in der Schweiz nur mit PayPal arbeitet. Ricardo bietet eigene Käuferschutz- und Streitregelungen, arbeitet jedoch nicht mit einem klassischen Treuhandmodell.
Je klarer diese Unterschiede sind, desto besser lässt sich einschätzen, welche Plattform sich für welchen Kauf - insbesondere bei höherpreisigen Artikeln - eignet.
Gebühren & Erlöslogik: Wer zahlt wofür?
Eine häufige Frage lautet: Welche Plattformen bieten kostenlose Inserate für gebrauchte Kleidung? Die kurze Antwort: Viele.
Unterschiede entstehen vor allem bei erfolgreichen Transaktionen. Manche Plattformen erheben Verkaufsgebühren, andere teilen Gebühren zwischen Käufer:innen und Verkäufer:innen auf. Circlin verzichtet auf Verkaufsgebühren für Anbieter:innen und verlagert Transaktions- und Käuferschutzkosten auf Käufer:innen. Optionale Services wie Boosts fallen nur an, wenn ein Artikel tatsächlich verkauft wird.
Diese Erlöslogik beeinflusst, wie attraktiv es ist, mehrere Artikel einzustellen und wie viel am Ende beim Verkauf übrig bleibt.
Geschwindigkeit & Alltagstauglichkeit
Im Alltag entscheidet oft nicht das Prinzip, sondern das Gefühl: Wie schnell ist ein Artikel online? Wie viel Koordination braucht es? Passt es zwischen Uni, Job und Freizeit?
Ricardo eignet sich vor allem dann, wenn Reichweite und Marktmechanik im Vordergrund stehen. Depop ist stark in Community, Stil und Entdecken. Marko legt den Fokus auf einen klar geführten, strukturierten Ablauf. Circlin orientiert sich an Social-Media-Gewohnheiten und überträgt diese auf den Verkaufsprozess: aufnehmen, beschreiben lassen, veröffentlichen.
Je näher eine Plattform an bestehenden Nutzungsgewohnheiten ist, desto eher werden Dinge verkauft, die sonst im Keller liegen bleiben.
Welche Plattform passt zu welchem Typ?
Es gibt keine allgemeingültige Antwort. Aber klare Muster:
- Du willst vergleichen, bieten oder möglichst viele Leute erreichen → klassische Marktplatzlogik wie bei Ricardo.
- Du willst Style zeigen, entdecken und dich inspirieren lassen → Depop.
- Du willst schnell kaufen und verkaufen, ohne viel Setup → Marko.
- Du willst mehrere Artikel effizient einstellen, dich gleichzeitig inspirieren lassen und Teil einer wachsenden Community sein → Circlin mit video-first Ansatz.
Secondhand funktioniert dann gut, wenn die Plattform zur eigenen Nutzung passt - nicht umgekehrt.
Die Plattformen im direkten Vergleich
| Plattform | Kernfokus | Inserieren | Kauferlebnis | Zahlungs- & Schutzlogik | Typisch für |
|---|---|---|---|---|---|
| Ricardo | Klassischer Marktplatz | Text & Fotos, Auktionen möglich | Preisvergleich, Bieten | Eigene Käuferschutz- & Streitregeln, kein Treuhandmodell | Reichweite & Marktlogik |
| Depop | Social Fashion & Community | Fotos, stark community-getrieben | Scrollen, Entdecken, Folgen | Schutz abhängig vom Zahlungsanbieter (in CH nicht plattformweit integriert) | Inspiration & Selbstausdruck |
| Marko | Mobile Secondhand | Klassische Inserate | Klar geführter Checkout | Plattforminterne Zahlungsabwicklung mit Schutzmechanismen | Schnelle Abwicklung |
| Circlin | Video-first & Community | Video + Audio, KI-gestützt | Sehen, Erleben, Entdecken | Integrierte Treuhandzahlung mit Käuferschutz | Effizientes & inspiriertes Verkaufen |
Zum Schluss
Secondhand entscheidet sich heute weniger aus Überzeugung als aus Gewohnheit. Plattformen prägen, wie leicht oder mühsam Weitergeben im Alltag ist. Wenn Verkaufen und Kaufen intuitiv funktionieren, sichtbar machen statt erklären müssen und sich selbstverständlich anfühlen, bleiben weniger Dinge ungenutzt - und mehr kommen tatsächlich wieder in Bewegung.
Markenhinweis: Das Ricardo-Logo ist Eigentum der Ricardo AG. Das Depop-Logo ist Eigentum der Depop Limited. Das marko-Logo ist Eigentum der Marko Switzerland AG. Alle Marken und Logos gehören den jeweiligen Rechteinhabern und werden ausschliesslich zu Identifikationszwecken verwendet; eine Verbindung oder Empfehlung wird nicht impliziert.
Belinda Klostermann
Belinda ist Content Creatorin & Texterin bei Circlin. Sie schreibt über nachhaltigen Konsum, Secondhand-Mode und Ideen, die inspirieren und zum Umdenken einladen.
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